Was ist drin?
“Kein Greenwashing im Inhaltsstoff-Djungel”
Nicht alle Kosmetikprodukte, die wir kaufen können, sind für uns unbedenklich. Über die letzten hunderte von Jahren wurden seit Beginn der Industrialisierung immer mehr Möglichkeiten gesucht, Produkte günstiger herzustellen, um mehr Gewinn zu erwirtschaften. Das dies auf Kosten der Gesundheit der Menschen gehen kann, scheint dabei egal. Der Konsument solle doch bitte selbst in der Lage sein, zu bestimmen was gesund für ihn ist oder nicht. Dabei wird uns dieses Wissen nicht in die Wiege gelegt und oft auch nicht von den Eltern mitgegeben, da auch sie nicht über ungesunde Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten Bescheid wissen.
Damit du in der Lage bist selbst zu bestimmen, ob ein Produkt für dich und deinen Körper gesund ist oder eher nicht, habe ich hier die wichtigsten (Schad-)Stoffe zusammengetragen. Ich erkläre dir woraus sie bestehen, warum sie von vielen Kosmetikherstellern so gern verwendet werden, warum du sie lieber nicht benutzen solltest und welche Alternativen du stattdessen hast.
Schädliche Inhaltsstoffe im Überblick
OHNE IST IMMER BESSER
Silikone
Parabene
Sulfate
Mineralöle
Phthalate
Mikroplastik
Alkohole
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ein synthetischer Stoff gewonnen aus Erdöl
warum es verwendet wird: füllt kaputte Stellen auf, wirkt wie ein “Schutzmantel”, glättender Effekt auf die Haut, “Faltenauffüller”
warum es NICHT verwendet werden sollte: nur kurzfristiger Glättungseffekt ohne nachhaltige Verbesserung der Haut/Haare, verstopft die Poren, “Schutzmantel” verhindert die Regeneration der (Kopf-)Haut und Haare, Umweltbelastung da im Abwasser weder filterbar noch abbaubar
zu finden als INCI: u.a. Dimethicone, Methicone, Cyclomethicone, Polysiloxane, Phenyl Trimethicone, Amodimethicone >>> alle Endungen auf "-methicone" und "-siloxane"Alternativen: Natürliche Stoffe mit silikonähnlicher Wirkung wie Brokkolisamenöl, Schwarzkümmelöl oder pflanzliches Squalan verwenden. Mittlerweile gibt es auch pflanzlich hergestellte Silikone z.B. aus der Braunalge.
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ein synthetischer Stoff (Ester der para-Hydroxybenzoesäure)
warum es verwendet wird: Einsatz als Konservierungsmittel
warum es NICHT verwendet werden sollte: sind hormonell wirksam/aktiv (sind der Östrogenstruktur ähnlich, zwar in vielfach geringerer Wirkung aber dennoch vorhanden)
zu finden als INCI: u.a. Sodium Parabene, Potassium Parabene, Iso Parabene, Hexamidine Parabene, Propylparaben, Butylparaben, Methylparaben, Ethylparaben, Calcium ParabenAlternativen: keine oder natürliche bzw. ungefährliche Konservierungsmittel/ Inhaltsstoffe mit konservierenden Eigenschaften wie Alkohol, Glycerin, Honig, bestimmte ätherische Öle, Vitamin E oder Konservierungsmittel auf Basis von Fermentation verwenden und eine möglichst keimfreie Nutzung des Produkts sicherstellen (wenig/kein Luftkontakt, keine Produktentnahme mit dem Finger, kühle und trockene Lagerung).
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Sulfate sind Salze, zumeist wasserlöslich. Primäre Sulfate sind sauer (ph-Wert), Sekundäre sind neutral
warum es verwendet wird: entfernen Schmutzpartikel und Fett (durch ihre negative Ladung ziehen Lauryl/ Laureth Sulfate Schmutzpartikel sehr gut an), (sehr) schaumbildend, sehr günstig
warum es NICHT verwendet werden sollte: sind aggressiv und stark entfettend, trocknen die Kopfhaut stark aus, reizen Augen und Schleimhäute, bei sensibler Haut können Irritationen, Allergien und schuppige Kopfhaut auftreten, schwächen die Barrierefunktion der Haut, werden vom Körper absorbiert und lagern sich in den Organen ab
zu finden als INCI: u.a. Sodium-Lauryl-Sulfat, Sodium-Laureth-Sulfat, Ammonium-Lauryl-Sulfat, Sodium-Myreth-SulfatAlternativen: Pflanzenbasierte Tenside/Waschsubstanzen wie Coco Glucoside (Zuckerbasis), SCI (Sodium Cocoyl Isethionate), Betaine oder Lavaerde verwenden oder gesiedete Naturkosmetik-Seifen.
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ein synthetischer aus Erdöl gewonnener Stoff
warum es verwendet wird: Antistatikum, Weichmacher, Hautschutz und Viskositätsregulator, länger haltbar als pflanzliche Öle, löst keine Allergien aus
warum es NICHT verwendet werden sollte: verstopft die Poren (Abdichtung der Haut), reichert sich langfristig im Körper an, nur ein kurzfristiger Effekt (z.B. bei Hauttrockenheit) da nur die obersten Hautschichten durchdrungen werden, Regenerationsprozess der Haut wird verlangsamt, kann anders als Pflanzenöle keine im Produkt enthaltenen Wirkstoffe in die Haut transportieren (keine Interaktion möglich mit der Haut)
zu finden als INCI: u.a. Mineral Oil, Petrolatum, Paraffinum Liquidum, Paraffinum Subliquidum, Cera Microcristallina, Microcrystalline Wax, Ozokerit, Ceresin, VaselineAlternativen: für empfindliche Haut geeignete Öle wie Mandelöl, Arganöl, Olivenöl verwenden oder lange haltbares Jojobaöl, das eigentlich ein flüssiges Wachs ist und daher länger haltbar ist als normale Öle. Natürliche “Weichmacher” sind z.B. Mandelöl, Marulaöl, Traubenkernöl und Weizenkeimöl.
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Phthalate, eine Industriechemikalie, sind Verbindungen der Phthalsäure mit verschiedenen Alkoholen (Phthalsäureester).
warum es verwendet wird: Vergällungsmittel von Alkoholanteilen in Kosmetika damit der Alkohol ungenießbar wird und keine Branntweinsteuer für das Produkt gezahlt werden muss
warum es NICHT verwendet werden sollte: kann hormonelle Störung hervorrufen (Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit und Schilddrüse), Steigerung des Diabetesrisikos, Belastung von Leber und Nieren
zu finden als INCI: u.a. Diethyl Phthalate, Diethylhexyl Phthalate, Di-n-Butylphthalat (DBP)Alternative: Produkte ohne unvergällten Alkohol verwenden
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winzige Mikrometer kleine Plastikteilchen unter 16 verschiedenen Begriffen wiederzufinden
warum es verwendet wird: Peelingmittel, zur Senkung der Produktionskosten (Plastik ist billiger als z.B. Seesand oder gemahlener Kaffee als Peelingmittel oder Füllstoff), geschmeidiges Hautgefühl in Cremes, weniger Ziepen der Haare in Shampoos
warum es NICHT verwendet werden sollte: starke Umweltbelastung, aufgrund der Größe nicht aus dem Abwasser filterbar und gelangt so über Grundwasser und Meere in die Nahrungskette
zu finden als INCI: u.a. Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyethylenterephthalat (PET), Nylon-12, Nylon-6, Polyurethan (PUR), Acrylates Copolymer (AC), Acrylates Crosspolymer (ACS), Polyacrylat (PA), Polymethylmethacrylat (PMMA), Polystyren (PS)Alternativen: in Peelings natürliche Peelingkörper verwenden wie z.B. Seesand, gemahlene Nüsse oder Kaffee, Zucker oder Salz
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Alkohole sind organische Verbindung mit einer oder mehreren Hydroxylgruppen, es gibt für die Haut “gute” und “schlechte” Alkohole
warum es verwendet wird: Allround-Konservierungsmittel, leichtere Konsistenz in Cremes, wirken reinigend und mattierend
warum es nicht verwendet werden sollte: in zu hoher Konzentration z.B. ab 20% der Gesamtmenge oder wenn dieser unter den ersten 5 Inhaltsstoffen steht trocknet “schlechter” Alkohol die Haut aus und kann Hautprobleme sowie Irritationen fördern, vergällter/denaturierter Alkohol (Alcohol denat.) ist immer zu vermeiden, da Vergällungsmittel nicht den Naturkosmetikgrundsätzen entsprechen (s.o. “Phthalate”)
zu finden als INCI: Alcohol, Ethanol, Alcohol denat., Ethyl Alcohol, SD Alcohol, Methanol, Propyl Alcohol, Propanol, Isopropanol, Isopropyl Alcohol, Benzyl Alcohol, Phenethyl AlcoholAlternativen: in kleineren Mengen (<12% Einsatzkonzentration) ist Alkohol/ Ethanol, auch als Weingeist bekannt, nicht schädlich für die Haut, bei empfindlicher und reifer Haut sollte dennoch lieber darauf verzichtet werden. Diolen (zweiwertige Alkohole) wie Pentylene Glycol sind eine gute Alternative, da sie eine ähnliche Funktion wie Weingeist (einwertiger Alkohol) haben aber auch in hoher Dosierung nicht schädlich sondern feuchtigkeitsspendend sind. Wird Alkohol nur zur Konservierung eingesetzt kann auch mit anderen Stoffen konserviert werden z.B. mit Magnolia Bark Extract, Lactobacillus Ferment (Fermentierungsprodukt aus Milchsäurebakterien).
Es gibt auch “gute Alkohole” die Fettalkohole, welche als Konsistenzgeber/Stabilisatoren in Cremes gern eingesetzt werden. Diese Alkohole wirken sehr feuchtigkeitsspendend (INCI: Cetearyl Alcohol, Cetyl Alcohol).
Und hier eine Einschätzung zu einzelnen Inhaltsstoffen, auf eure Anfrage:
Hydroxyacetophenone
ein naturidentischer (= synthetischer aber theoretisch in der Natur vorkommender) Stoff
warum es verwendet wird: wirkt hautberuhigend, antioxidativ und konservierend in wässrigen Kosmetikprodukten ohne zu den Konservierungsmitteln zu gehören (z.B. in Tuchmasken, Augenmasken/-pads)
warum es nicht verwendet werden sollte: Prinzipiell spricht nichts gegen eine Verwendung, da Hydroxyacetophenone nicht hautreizend wirken. Wer allerdings nur natürliche Stoffe in Kosmetika benutzen möchte oder die Benutzung von synthetischen Stoffen in Kosmetika verringern möchte, für den ist dieser Inhaltsstoff nicht geeignet.
Alternativen: Es gibt immer noch sehr gute natürliche Konservierungsmittel für wässrige Kosmetikprodukte wie z.B. Leucidal (Leuconostoc/Radish Root Ferment Filtrate) und Dermosoft® 1388 eco (Sodium Levulinate, Sodium Anisate).
Levulinic Acid (Einsatz als Sodium Levulinate)
ein natürlicher Stoff (Lävulinsäure) gewonnen aus Zuckerrohr oder Mais
warum es verwendet wird: wirkt konservierend und ist Naturkosmetik geeignet (in Dermosoft® 1388 eco entspricht es dem COSMOS und Natrue Standard)
warum es nicht verwendet werden sollte: Es spricht nichts gegen einen Einsatz von Sodium Levulinate, da es sogar für empfindliche Haut geeignet ist.
Distarch Phosphate
naturnaher Stoff (natürlicher Ursprung aber weiterverarbeitet), der mit einer chemischen Reaktion aus natürlicher Stärke (z.B. aus Mais) und Phosphorchloriden gewonnen wird
warum es verwendet wird: Texturmittel in Cremes und Make-Up, mattierend, bindet Wasser schneller und stärker als normale Stärke
warum es nicht verwendet werden sollte: Prinzipiell spricht nichts gegen eine Verwendung, da Distarch Phosphate nicht hautreizend wirken. Wer allerdings nur natürliche Stoffe in Kosmetika benutzen möchte oder die Benutzung von weiterverarbeiteten Stoffen in Kosmetika verringern möchte, für den ist dieser Inhaltsstoff nicht geeignet.
Alternativen: normale Stärke (INCI: starch)
Coco-Caprylate
naturnaher Stoff (natürlicher Ursprung aber weiterverarbeitet), der aus einer Veresterung von Fettalkoholen in Kokosöl mit Caprylsäure und Caprinsäure gewonnen wird
warum es verwendet wird: Ersatz für synthetische Silikone in Naturkosmetik für Haut- und Haarprodukte, leichtes Hautgefühl ohne zu fetten, schnelle Verteilbarkeit auf der Haut
warum es nicht verwendet werden sollte: Prinzipiell spricht nichts gegen eine Verwendung, wenn es nicht ganz oben auf der INCI-Liste steht, da dieser Inhaltsstoff günstiger als natürliche Öle (wie Kokosöl, Mandelöl, …) ist und auch gerne als Füllstoff verwendet wird. Coco-Caprylate ist nicht schädlich für die Haut aber verliert durch die chemische Reaktion den Großteil der guten Inhaltsstoffe des natürlichen Kokosöls. Somit tut es am Ende nicht so viel für die Haut und Haare wie natürliches Kokosöl. In kleineren Mengen ist die Verwendung vertretbar, um die Benutzerfreundlichkeit von Naturkosmetikprodukten zu höhen (nicht fettendes Hautgefühl in Cremes, gutes Auswaschen bei Haarprodukten).
Wer allerdings nur natürliche Stoffe in Kosmetika benutzen möchte oder die Benutzung von weiterverarbeiteten Stoffen in Kosmetika verringern möchte, für den ist dieser Inhaltsstoff nicht geeignet.
Alternativen: natürliches Kokosöl, pflanzliches Silikon aus Meeresalgen (Rotalgen und Lithothamne Algen)
Woran erkenne ich unbedenkliche Kosmetikprodukte?
Unbedenkliche Kosmetikprodukte erkennst du meistens an diesen drei Kriterien:
wenige Inhaltsstoffe
keine der oben genannten schädlichen Stoffe ist enthalten
keine/kaum wie aus der Chemiestunde klingende Inhaltsstoffe
Idealerweise ist eine doppelte Inhaltsangabe aufgedruckt (INCI-Liste und Liste mit deutscher Übersetzung der Begriffe), um das Produkt so transparent wie möglich zu machen.
Schaue bei Ungewissheit in Apps nach (z.B. mit der CodeCheck APP, einfach den Barcode einscannen) oder schlage Inhaltsstoffe im Internet nach.
Einen ausführlicheren Beitrag zu unbedenklichen Inhaltsstoffen in Kosmetika findest du hier.
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