Mein erstes Mal Naturseife sieden
Mein erstes Buch über Naturkosmetik handelte vom Seife sieden. Trotzdem habe ich in den 6 Jahren, nachdem ich dieses Buch gekauft habe, keine einzige Seife gesiedet ^^ dafür aber eine Menge Cremes angerührt sowie Gesichtswasser, Peelings und Badesalze angemischt und selbstgemachte Duschschäume für mich entdeckt.
Seit ich statt gekauftem Duschgel außerdem feste Seife unter der Dusche benutze, ist die Faszination wieder da, eine Seife selbst zu sieden. Naturseifen, nach dem Kaltrührverfahren hergestellt, sind einfach am hautschonendsten und es gibt so viele Möglichkeiten sie nach eigenen Wünschen zu gestalten: mit Ölen, Farben und Düften.
Nachdem ich ein paar Bücher über Seifenherstellung und -rezepte gekauft habe und Youtube-Tutorials zu Seifenmustern angeschaut habe, stellte ich fest, dass ich ziemlich viel Equipment brauche, um die Seifen herzustellen, die ich mir so vorstelle. Dank Baumarkt, Seife-Sieden-Onlineshops und Amazon habe ich alles relativ schnell zusammenbekommen.
WELCHE UTENSILIEN ICH ZUR SEIFENHERSTELLUNG WIRKLICH BRAUCHE:
Schutzkleidung: Schutzbrille, (laugenfeste) Handschuhe und langarmigen Kittel
Edelstahltopf ca. 3l, Pürierstab, Schneebesen, Rührstab, Teigschaber (alles aus Edelstahl oder laugenfestem Polypropylen)
einige Messbecher in verschiedenen Größen (aus Glas oder laugenfestem Polypropylen)
Holzblockform mit Silikoneinsatz (es geht auch eine Silikonbackform oder eine normale (Back)form komplett ausgelegt mit Backpapier) -> eine Silikonbackform ist jedoch weich und die Seife wird nicht gerade/kantig aushärten; in einer mit Backpapier ausgelegten Form härtet de Seife zwar gerade/kantig aus aber wird einen Abdruck vom Backpapier erhalten, da dies nicht faltenfrei gelegt werden kann, deshalb habe ich mich für eine extra Seifen-Holzblockform mit Silikoneinsatz entschieden
abwischbare Plastikunterlage
WAS ICH EINFACH HABEN WOLLTE:
verschiedene Silikonförmchen für Einzelseifenstücke (z.B. Blumenformen)
Seifen-Schneidemesser glatt und wellig (ein großes Küchenmesser kann auch benutzt werden)
WAS EIGNET SICH FÜR DEN ERSTEN SEIFENVERSUCH?
Darüber habe ich lange nachgedacht. Schlussendlich denke ich, dass ich mit einer Körperseife auf der sicheren Seite bin, bevor ich mit Haar-, Salz- oder Milchseifen weitermachen. Aus Erfahrung mit gekauften Seifen weiß ich, dass ich mit Avocado- und Kokosöl gut zurechtkomme. Diese beiden Rohstoffe werden also auf jeden Fall in meiner Seife enthalten sein. Ich möchte auch ein Muster in der Seife haben, aber für die erste Seife sollte es nicht zu kompliziert werden, da ich noch kein Gefühl für den zeitlichen Ablauf habe. Daher werde ich marmorieren.
INHALTSSTOFFE MEINER ERSTEN NATURSEIFE:
natives Bio-Kokosöl für die Schaumbildung
unraffiniertes (grünes) Avocadoöl, kaltgepresstes Macadamianuss -und Rapsöl (high-oleic) für die Pflege
grünes Mica “Green Motion” und goldbraunes Mica “Toffeelicious” für die Farbe
Seifenduft “Bergamot & Tarragon” für den Duft
sowie destilliertes Wasser und NaOH
DIE VORBEREITUNG
Nachdem ich mich für ein Rezept bzw. eine selbstausgedachte Ölkombination (Achtung hier sollten Fettmuster, Härte- und Ranziditätsfaktor der Öle berücksichtigt werden) entschieden habe und alle Utensilien und Rohstoffe da habe, fertige ich mir einen Ablaufplan an. Dieser enthält eine genaue Berechnung der Mengen an NaOH, destilliertem Wasser, Mica und Duft sowie eine Schritt für Schritt Anleitung mit genug Platz, um während des Herstellens die Schritte abzuhaken und eventuell Kommentare hinzuzufügen. Während des Herstellens hat mir das viel Sicherheit gegeben und gewährleistet, dass ich genau diese Seife wiederholt sieden kann.
DIE HERSTELLUNG
Die Utensilien
Zuerst stelle ich mir alle benötigten Utensilien bereit (siehe Liste oben) und desinfiziere diese mit Isopropanol. Auf einer abwischbaren Plastikunterlage lege ich mir alles so hin wie ich es für die Schritte der Seifenherstellung benötige.
Die Rohstoffe abwiegen
Nachdem alle Utensilien und Rohstoffe bereit stehen, werden am besten alle (!) Rohstoffe vorab abgewogen und bereitgestellt, damit nichts vergessen wird und es beim Rühren des Seifenleims später schnell gehen kann.
Die Öle und Fette mischen
Die festen Fette werden schonend d.h. nicht zu heiß (nur etwas über ihrem Schmelzpunkt) geschmolzen und mit den flüssigen Ölen vermischt. Die Temperatur sollte zwischen 30-35°C betragen, denn Lauge und Öle sollten beim Mischen zur Herstellung des Seifenleims in etwa die gleiche Temperatur haben.
Die Lauge herstellen
Das Anrühren der Natronlauge hat bei mir am längsten gedauert, da ich immer wieder nur kleine Portionen hinzugefügt habe und darauf geachtet habe, dass die Temperatur 60°C nicht übersteigt, damit die Lauge wieder schnell auf 35°C abkühlen kann. Ein kaltes Wasserbad hat gut geholfen die Temperatur der Lauge schnell zu senken.
Der Seifenleim
Der Seifenleim wurde von mir abwechselnd mit den Stabrührer und dem Schneebesen gerührt. Dabei sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass so wenig Luft wie möglich in den Seifenleim gerät, damit die Seife später keine eingeschlossenen Luftbläschen hat. Darauf hatte ich nicht geachtet und ich finde das sieht man etwas am Endergebnis.
Der angezogene Seifenleim
Nach einigen Minuten des abwechselnden Rührens dickt die Masse sichtlich an. Hier habe ich meiner Meinung nach etwas zu lange gewartet und gerührt. Die Konsistenz ist schon recht puddingartig und es müssen noch der Duft und die Farben untergerührt werden.
Die Farbe
Das grüne Farbpulver gebe ich in den Seifenleim nachdem ich etwas davon für die goldene Farbe abgenommen habe. Ich habe das Micapulver zuerst mit dem Schneebesen eingerührt und dann mit dem Pürierstab, damit der feine Farbstaub nicht zu sehr aufwirbelt und ich ihn nicht einatme.
Die Verseifung
Das nächste Foto habe ich erst wieder gemacht nachdem ich den Seifenleim in die Form gegeben habe, da es echt schnell gehen musste, weil der Seifenleim immer dicker wurde. Die Marmorierung habe ich in 4-5 Schichten hergestellt. Zu 4/5 grünem Seifenleim in einem extra Messbecher wurde 1/5 bronzefarbener Seifenleim in verschiedenen Höhen gegeben und dann aus verschiedenen Winkeln in die Blockform gegossen. Mit Frischhaltefolie abgedeckt und in ein Handtuch eingewickelt habe ich die Form in einen isolierenden Karton an einem nicht zu kalten Platz deponiert.
Das Ausformen
Nach exakt 24 Stunden habe ich die Seife ausgeformt, indem ich die Silikonform einfach umgestülpt habe. Das hat prima funktioniert und die Silikonform hat es unbeschadet überstanden. Die Seife ist sehr fest und duftet schön.
Das Schneiden
Ich habe eine Hälfte direkt nach dem Ausformen mit einem Seifenmesser geschnitten und die andere Hälfte nach 4 Stunden an der Luft. Ich fand das Schneiden nach 4 Stunden einfacher, da die Stücke dann gar nicht mehr am Messer klebten während sie direkt nach dem Ausformen kleben blieben. Am optischen Schnitt selbst konnte ich aber keinen Unterschied feststellen. Die Oberfläche der Stücke sieht leicht rau aus, was wahrscheinlich an winzigen Luftbläschen im Seifenleim liegt.
LESSONS LEARNED
Wie schon in der Bildergalerie teilweise angemerkt, gibt es einige Dinge, die ich beim nächsten Seife sieden anders machen würde. Zum einen würde ich ausprobieren den Wasseranteil in der Lauge zu erhöhen (28% -> 30%) und/oder den Seifenleim weniger lang zu rühren, damit er nicht so schnell und stark andickt. Und zum anderen werde ich wirklich darauf achten, dass beim Rühren so wenig Luft wie möglich in den Seifenleim gerät. Ein Trick aus den Seifenbüchern lautet den Stabrührer bereits in den Topf zu stellen, wenn nur die Öl-Fett-Mischung enthalten ist und den Rührer dann einmal kurz zu betätigen, um Luftbläschen unter dem Stabrührer entweichen zu lassen. Diese treiben im flüssigen Öl relativ schnell an die Oberfläche. Wenn nun die Lauge in die Öl-Fett-Mischung gegeben wird, darf der Stabrührer nicht mehr aus der Masse herausgenommen werden bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist, damit keine neuen Luftbläschen in den Seifenleim eingearbeitet werden. Aus dem angerührten Seifenleim entweichen diese nämlich gar nicht mehr so leicht wie aus der Öl-Fett-Mischung. Weiterhin würde ich den Seifenblock nach dem Ausformen wieder 4 Stunden an der Luft stehen lassen, damit die Seifenstücke nicht mehr am Schneidemesser kleben bleiben.
Gut zu wissen ist außerdem, dass die Farben in der Seife (durch das Kaltrührverfahren) nicht immer so werden, wie sie als Pulver aussehen. Mein grünes Mica sah pastellfarben grün-türkis aus (auch noch einmal anders als im Onlineshop dargestellt!) und ist in der Seife dann relativ grasgrün geworden. Das goldbraune Mica hat die Farbe nicht verändert. Dafür dass beide Micas online mit “viel Schimmer/Glanz” beworben wurden, sehe ich kaum etwas davon in der Seife. Da muss ich schon ganz genau hinschauen ^^ Vielleicht liegt es an der Dosierung und man erhält mehr Schimmer, wenn die Farben mit 1% oder mehr dosiert werden. In dieser Seife habe ich nach Rezept “nur” 5 g Mica auf einen GFA von 1000 g verwendet, das sind nur ca. 0,4%.
DIE SEIFE IN DER PRAXIS
Nach 5 Wochen habe ich die Seife schon ausprobiert, da der pH-Wert bei 8-9 lag, was für die Benutzung total in Ordnung ist (alles ab 9 und drunter). Als ich die Seife zum ersten Mal unters Wasser gehalten habe, ist mir aufgefallen wie sehr sie im nassen Zustand glitzert. Die Farben sahen lebendig aus. Im trockenen Zustand ist das nicht der Fall.
Was mir sehr schnell auffiel ist, dass die Seife sehr stark schäumt - ein üppiger, cremiger Schaum, der guten Bestand hat. Der Duft der Seife ist dezent, was aber angenehm ist. Die Hände riechen nach dem Händewaschen nur leicht nach dem Duft und fühlen sich durch die 10% Überfettung schön weich an.
Nachdem die Seife beim Händewaschen so angenehm war, habe ich sie auch unter der Dusche (nur Körper, keine Haare) ausprobiert. Das hat sich auch super angefühlt, auch beim Beine rasieren hat sie einen tollen Job gemacht, da der cremige Schaum lange hielt und ich damit in sichtbaren Bahnen rasieren konnte.
Dann habe ich die Seife auch zum Haarewaschen getestet. Normalerweise hätte ich das nie gemacht, da es laut Rezept keine extra “Haarseife” ist, aber eine Freundin von mir, der ich ein Stück Seife mitgegeben habe, hat es in ihrer “Unwissenheit” einfach getan und war begeistert. Inzwischen habe ich mir mit der Seife 3x die Haare gewaschen. Das erste Mal war super - ein total weiches und gepflegtes, glänzendes Ergebnis. Das zweite Mal waren sie recht fettig - da habe ich die Haare zu kurz ausgespült. Das dritte Mal war ok - am zweiten Tag hingen sie schon ein wenig schlapp herunter. Ich denke 10% ÜF ist für mein blondes, dünnes, langes Haar doch zu viel. Fürs Haare waschen nehme ich sonst immer Seifen mit 7% ÜF. Meine Freundin, die die Seife fürs Haarewaschen ausprobiert hat, hat dunkle dicke Locken - denen tun 10% ÜF gut.
Alles in allem bin ich mega erstaunt und super zufrieden wie sich meine erste Seife benutzen lässt. Das hätte ich mir nicht besser vorstellen können. Da sie recht hart ist, weicht sie nicht schnell auf und nutzt sich nicht so schnell ab (außer beim Haare waschen wenn man sie direkt auf den Haaren reibt). Ehrlich gesagt fühlt sie sich besser an als jede andere (auch kaltgesiedete Naturkosmetik-) Seife, die ich mir davor gekauft und benutzt habe. Allein wie zart sich meine Hände nach dem Händewaschen anfühlen ist phänomenal